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Twitter effektiv nutzen (mit Listen!)

Im vergangenen Jahr durfte ich den Account von Real Scientists Deutschland eine Woche lang kuratieren. So viele Follower zu haben, war (und ist) für mich absolut ungewohnt. Seit damals haben sich die Follower auf meinem eigenen Twitter-Account verdoppelt und bin bei gut 800. Ich selbst folge inzwischen über 1000 Nutzerkonten. Da ich selbst immer wieder auf der Suche bin, wie ich meine eigenen digitalen Praktiken verbessern und verändern (sprich „optimieren“) kann, will ich hier einige Dinge mit euch teilen, von denen ich glaube, dass sie die Nutzung von Twitter für meinen (wissenschaftlichen) Alltag effektiver machen.

Außerdem erfahrt ihr, wie und mit welchem Tool ich meine Twitter-Listen organisiere.

Wofür ich Twitter nutze

Ich kann nicht genau definieren, wofür ich Twitter nutze – oder wofür nicht. Es ist von allem etwas dabei, Twitter ist bei mir Nachrichten-Ticker, Kommunikationskanal auf privater und professioneller Ebene, Inspirationsquelle für Neues (in quasi jedem Lebensbereich), Unterhaltung und Ersatz für Support-Anfragen per Mail oder Kontaktformulare. Ich scrolle regelmäßig durch meine Timeline, schreibe Direktnachrichten an einzelne Personen oder Gruppen, schaue ab und zu in Periscope-Livestreams hinein, kurz: ich bin im Grunde vermutlich ein ganz durchschnittlicher User. Trotzdem habe ich das Bedürfnis, gerne mehr aus der Plattform herauszuholen, der ich für meinen bisherigen Werdegang in den letzten drei Jahren enorm viel zu verdanken habe.

Überblick behalten mit Listen

Um die gut 1000 Accounts, denen ich folge, einigermaßen übersichtlich zu halten, habe ich Listen angelegt. Auf Twitter kann man Listen von Accounts anlegen, die dann wie in einer separaten Timeline angezeigt werden. Je nach verwendetem Client können Listen nebeneinander (z.B. mit Tweetdeck) angezeigt werden oder über die App ausgewählt werden (Mobile Clients); in der offiziellen Twitter App für Smartphones kann man einige wenige Listen auch „anpinnen“, sodass man seine Timeline zur Seite wischen kann und so nacheinander zu den gepinnten Listen kommt. Listen können öffentlich sein, d.h. jeder sieht, welche Listen ich angelegt habe und kann diese Listen als solche abonnieren, ohne den Accounts darin selbst folgen zu müssen; oder die Listen sind privat. Dann habe nur ich Zugriff auf diese Listen.

Das Tool für die Organisation von Listen

Das meiner Meinung nach beste (und soweit ich weiß einzige) Tool, mit dem man Listen sehr einfach organisieren kann, ist der https://twitterlistmanager.com. Darin kann in einer sehr großen tabellarischen Übersicht jeder Account, dem man folgt mit einer Checkbox einer oder mehrerer Listen hinzugefügt werden. Sicherlich ist ein erstmaliges Sortieren äußerst mühselig, aber es zahlt sich aus. Und lieber fangt ihr bereits mit wenigen Nutzern an, die ihr Listen zuordnen müsst, als dass ihr auf einen Schlag gut 800 Einträge durchgehen müsst.

Überblick über meine Follows – und das sie in noch keiner Liste sind.

Wie ihr auf dem Screenshot sehen könnt, ist das so übersichtlich, wie es halt irgendwie geht. Das gelbe „Fadenkreuz“ erscheint automatisch unter dem Mauszeiger und erleichert die Navigation in diesen gigantischen Tabellen sehr!
Außerdem seht ihr sehr deutlich, dass ich selbst noch einiges zu sortieren habe…

Man sollte jeden neu Gefolgten möglichst sofort in mindestens eine Liste packen.

Meine Listen

Nach einigem hin und her habe ich für mich herausgefunden, dass ich eigentlich mit eher weniger Listen arbeiten möchte, die sich thematisch möglichst wenig überlappen. Daher sind hier meine Empfehlungen, welche Listen es sich meiner Meinung nach lohnt, anzulegen:

Personengruppen

Naheliegend: Bestimmte Personenkreise werden in einer Liste zusammengefasst. Ich habe folgende Listen:

  • Persönlich enge Bekannte
    • Hier sind überwiegend private Kontakte drin, Schul- und Studienfreund*innen, Familie. Die Liste erlaubt es mir zu sehen, womit sich meine engeres Umfeld befasst. 
  • Kolleg*innen (Intern)
    • Diese Liste beinhaltet alle Kolleg*innen meiner Einrichtung, die auf Twitter unterwegs sind und mit denen ich regelmäßig beruflich zu tun habe. So kann ich sehen, wer mit wem interagiert und an Diskussionen teilnehmen.
  • Kolleg*innen (extern)
    • An einer Hochschule mit etwa 10.000 Beschäftigten gibt es natürlich noch mehr Personen, die auf Twitter unterwegs sind. Damit ich deren Tweets lesen kann und so einen Einblick in andere (Fach-)Bereiche meiner Universität bekomme, habe ich diese Leute in eine weitere Liste gepackt.

Themengebundene Accounts

Ein weiterer Block meiner Listen machen Accounts aus, die durch institutionelle oder thematische Bindung zusammengefasst werden können. Darunter finden sich bei mir z.B. folgende Listen:

  • Interne Einrichtungen
    • Hier sind alle Accounts gelistet, die einem Institut oder einem Forschungsprojekt meiner Uni gehören. So eine Liste sollte eigentlich jede Hochschule von sich selbst haben, wie ich finde. 
  • Externe Einrichtungen
    • In dieser Liste gruppiere ich Einrichtungen, die im gleiche Themenfeld unterwegs sind wie ich. So sehe ich, welche Angebote und Themen an anderen Hochschulen in diesem Bereich diskutiert werden, wer dort interagiert. Diese Liste könnte Blaupause für weitere sein, sofern man mehrere Themenbereiche abdecken will.
  • Nachrichtenfeed
    • Hier sammle ich meine persönlich präferierten Nachrichtenquellen. Natürlich könnte ich auch die Webseiten der jeweiligen Redaktionen ansurfen, aber Twitter ist meist schneller und prägnanter. Für tiefergehende Recherchen kann ich immer noch auf Links klicken. Ich habe für meinen Fall noch eine eigene Liste für lokale bzw. Regionale Nachrichten.
  • Unterhaltsames & Inspiration
    • Hier laden meine Lieblings-Cartoonisten, Spaß-Accounts oder Seiten, die interessantes (nutzloses) Wissen teilen. Diese Liste ist sozusagen zum Abschalten da.

Sonstige

Natürlich könnte man seine Listen noch viel weiter ergänzen; ich möchte aber aus Gründen der Übersichtlichkeit nur noch auf eine für mich wichtige Liste verweisen:

  • Apps/Support
    • Hier sind alle Accounts gelistet, die zu Soft- und Hardwareprodukten gehören, die ich nutze. So bleibe ich up to date, was neue Features, Updates oder Bugs angeht. Das war zu Beginn meines Twitter-Accounts der primäre Zweck, den ich mit Twitter verfolgt habe: schneller Support für Tech-Gedöns. Damals wie heute ist Kommunikation über Twitter oft schneller als per E-Mail oder Kontakt-Formular.

Fallstricke

Als ich begonnen habe, meinen Twitter-Account etwas strukturierter zu nutzen hatte ich den hehren Anspruch, über Twitter eine Art „Adressbuch“ zu führen, wen ich wann und wo kennengelernt habe. So habe ich für die ersten paar Fachkonferenzen, die ich besucht hatte, alle Accounts, die von dort getwittert haben in eine jeweilige Liste gesteckt. Da aber mit der Zeit klar wurde, dass meine Community sehr eng vernetzt ist und viele daraus auf den gleichen Konferenzen unterwegs sind, war dieser Weg eine Sackgasse.

Man muss auch sagen, dass Twitterlisten pflegen einiges an Disziplin einfordert: Man sollte jeden neu gefolgten möglichst sofort in mindestens eine Liste packen, da sonst die Anzahl an Accounts, die nur in der Haupt-Timeline auftauchen zu groß wird. Das erfordert aber, dass man stets den Überblick über seine Listen hat. Daher auch mein Streben nach möglichst wenigen Listen mit möglichst wenig thematischer Überlappung.

Einzelne Themen im Blick behalten mit Hashtags

Wenn ich ein bestimmtes Thema im Auge behalten möchte, speichere ich mir in der Regel eine Suche nach einem Hashtag oder einer Kombination aus zwei Hashtags ab. Das geht leider nicht über die mobilen Apps von Twitter selbst, was ich sehr schade finde. Aber das ist oft klüger als nach Konten zu suchen, die sich nur um diese Themen befassen. Nachteil: Wer nicht mit den entsprechenden Hashtags twittert, fällt durchs Raster. Gerade bei einem Thema, das von mehreren (ähnlichen) Hashtags abgedeckt wird ist das oft etwas ärgerlich.

Susanne Geu hat auf ihrem Blog (neben einer Einsteiger-Hilfe für Twitter-Neulinge) auch einen ausführlichen Artikel geschrieben, wie und warum man Hashtags folgen sollte. Leseempfehlung!
Dieser Beitrag („Make use of Lists“) ist entstanden, weil wir uns darüber mal ausgetauscht hatten:

Außerdem gibt es einige Bots, die automatisch Tweets mit definierten Tags retweeten – deren Sinn (außer, dass sie Reichweite erzeugen) hat sich mir aber bisher nicht erschlossen. Denn gerade nach den Hashtags kann ich ja auch filtern…

Wie organisiert ihr eure „Follows“? Schreibt es in die Kommentare!


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Dieser Blogeintrag von David Lohner ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.
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4 Comments

  1. Eddy von trusted blogs 4. Juli 2020

    Mit Listen arbeite ich auch. Den TwitterListManager kannte ich allerdings noch nicht: Danke für den Tipp. Werde ich gerne weitergeben (natürlich via Twitter).

    • david 19. Juli 2020

      Danke fürs Teilen!

  2. Viola 19. Juli 2020

    Neben thematischen oder „institutionellen“ (= z.B. „gehört zu meiner Uni“) Listen habe ich auch zwei zum „Twitter nachlesen“.
    Da man ja meistens nicht alle Tweets der gesamten Timeline „schafft“, habe ich Accounts zusammengestellt, die für mich (sehr) wichtig sind. So kann ich z.B. am Ende eines anderweitig-beschäftigt-Tages oder nach einem offline-Urlaub das Wichtigste über diese Listen nachlesen.

    • david 19. Juli 2020

      Eine „Nachlese“ organisiere ich mir meistens mit Lesezeichen; das sind aber jeweils nur einzelne Tweets, auf die ich näher reagieren möchte (antworten, teilen, Links lesen…)

      Ich werde mir die nächste Zeit über vermutlich noch mehr Listen anlegen, die meine ganzen Follows weiter sinnvoll gliedern, damit ich meine Timeline(s) gezielter durchscrollen kann.

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