Das Jahr 2020 war in vielfacherweise ein spezielles Jahr. Für mich persönlich hatte es ein paar ganz besondere Highlights, die ich hier noch einmal zusammenfassen möchte. Statt aber aufzuzählen, was ich jeden Monat einzeln getan und gedacht habe, fasse ich die Highlights jeweils thematisch ein wenig zusammen. In 2021 plane ich, regelmäßige Monatsnotizen hier zu schreiben (wie z.B. Markus Deimann und Christian Friedrich vom Feierabendbier Open Education, Michael Eichhorn von studiumdigitale an der Goethe Uni Frankfurt oder Katharina Schulz von der FH Bielefeld). Da uns alle dieses Jahr vor allem die Corona-Pandemie beschäftigt hat, will ich diesen Rückblick (fast) Corona-frei halten.

Ausklingendes Wintersemester 2019/20

Dieses Jahr haben meine Kollegen vom ZML und ich unsere Bemühungen vorgestellt, Medienkompetenz bei Studierenden modular zu fördern. Und das auf der größten europäischen Bildungsmesse, der LEARNTEC. Die Inhalte unseres Vortrags gibt es in zweierlei Beiträgen zum nachlesen, zum einen auf einem Poster, das ich bereits beim JFMH2019 vorgestellt hatte, zum anderen in einem Beitrag zum JFMH2018. Daran erkennt man, wie lange Entwicklungen an Hochschulen manchmal brauchen, bis sie Früchte tragen. Leider kann es auch genau so schnell vorbei sein, denn in der Form wie in diesen Dokumenten dargestellt, können wir diese Modulare Förderung nicht mehr verfolgen. Dafür konnten wir das von Eichhorn et al. [1] Abgewandelte Kompetenzraster in die Lehrveranstaltungen des ZML im Bereich der Lehrer:innenbildung am KIT transferieren.

In der hochschuldidaktischen Community hatte ich mich beinahe etwas übernommen. Auf der dghd2020 hatte ich dieses Jahr gleich drei Beiträge eingereicht und war bei einem weiteren Programmpunkte aktiv. Der war das Promovierendenforum, da ich ja selbst stellvertretender Sprecher im Promovierendennetzwerk der dghd bin – ein Posten, den ich gerne innehabe, der aber abseits der Jahreskonferenz (leider) sehr wenig Aufmerksamkeit bedarf.

Gemeinsam mit meinen Kolleg:innen Christian Albrecht (FAU Erlangen-Nürnberg), Torben Mau (Uni Göttingen), Sarah Stumpf (Uni Halle-Wittenberg) und Markus Deimann (damals noch FernUni Hagen) habe ich einen Beitrag zu unserem Lehrexperiment L2D2 eingereicht. Das Projekt ist in der Community auf sehr große Resonanz gestoßen und hat unter anderem eine eigene Webseite und einen ausführlichen Beitrag auf dem Blog des Hochschulforums Digitalisierung

Mit Janine Funke (Uni Chemnitz), Kira Lauber (Uni Dresden) und Michael Eichhorn (Goethe-Uni Frankfurt) bin ich der Frage nachgegangen, wie die Mediendidaktik an Hochschulen institutionell verankert ist – wo genau sie sich zwischen den Polen der (allgemeinen) Hochschuldidaktik einerseits und strategischen Digitalisierungsdiskursen, bzw. der Organisationsentwicklung andererseits positioniert.

Der letzte Beitrag ist eine Fortführung von Diskussionen, die bereits auf der dghd2018 hier in Karlsruhe und der dghd2019 begonnen haben. Mit Cornelia Kenneweg und der interessierten Community habe ich nach Möglichkeiten gesucht, für die dghd eine gemeinsame Literaturdatenbank aufzubauen, die gleichermaßen Einsteiger:innen einen guten Überblick über hochschuldidaktische Literatur verschafft und mögliche „Klassiker“ ausweist um die „Must-Reads“ herauszustellen. Leider konnten wir dieses Vorhaben bis heute nicht weiter verfolgen.

Das gesamte Programm der dghd2020 findet ihr auf der Webseite der Konferenz, darin stehen auch die ausführlicheren Abstracts meiner Beiträge.

Und dann war da noch die OPER-Studie des DIPF, an der ich teilgenommen habe. Darin wurden Arbeitspraktiken unter Nachwuchsforschenden in der Bildungsforschung untersucht. Neben einem Interview war ein längerer Workshop mit den Befragten Teil der Studie, aus dem heraus auch ein Beitrag erschien, was „Open Practice“ für uns Nachwuchsforschenden bedeutet. Diese Diskussion half mir, einerseits das ganze Feld um um Open Access, Open Educational Resources, Open Practices, Open Science und so weiter und so besser zu überblicken und andererseits, mir selbst klar zu werden, wie ich zu diesen Themen stehe, welche Werte ich in der Wissenschaft eigentlich vertreten möchte. Das sind Aspekte, die während der alltäglichen Arbeit als Doktorand eher hinten runterfallen, darum bin ich insbesondere Tamara Heck umso dankbarer, bei diesem Projekt mitgemacht zu haben. Die Ergebnisse der Diskussion sind auch in einer kleinen Publikation nachzulesen.

Was führ ein Frühjahr… Es geht weiter mit dem

Sommersemester 2020

Ich hatte eingangs geschrieben, dass mein Rückblick fast nichts mit Corona zu tun haben wird. Nun, hier kommt dieses fast: Ich habe das Sommersemester über intensiv und regelmäßig über die neue Situation des Emergency-Remote-Teaching in Folge der Corona-Pandemie an deutschen Hochschulen reflektiert. Nicht alleine, sondern in einem losen Forschungsnetzwerk, das sich sehr schnell zu einer Community of Practice entwickelt hat. Das Projekt AEDiL (Autoehtnographische Forschung zu digitaler Lehre) unter der Leitung von Isabel Steinhardt (Uni Kassel) begleitet mich bis heute und wird es wohl auch noch eine ganze Zeit lang. Wer mehr darüber wissen will, liest entweder den Blogbeitrag beim Hochschulforum Digitalisierung, sieht sich auf ResearchGate um oder wartet bis April, wenn das Buch erscheint, das aus diesem Projekt hervorgehen wird.

Am ZML bearbeite ich regelmäßig kleinere und mittelgroße Projekte, dieses Jahr war eines darunter, das gesellschaftlich nicht wenig relevant ist und mich sicher nachhaltig beeinflusst (erste Auswirkungen spüre ich bereits). Wir haben für interne Zwecke gemeinsam mit unserer Personalabteilung eine Onlineschulung zur Stärkung von Genderkompetenz aufgebaut. Seither bin ich viel sensibler, wenn es um gendergerechte Formulierungen (und deren Einforderung bei Texten) geht. Das ist das Tolle an diesem Job als Mitarbeiter in einer E-Learning-Service-Einrichtung: Man bekommt die unterschiedlichsten fachlichen Eindrücke und lernt so selbst mindestens so viel wie die Teilnehmer:innen der Kurse und Lernformate, die man (für/in Projekten) entwirft.

Auch wenn der Abschnitt hier etwas kürzer ausgefallen ist, war doch einiges los. Das bringt mich zum

Wintersemester 2020/21

In diesem Wintersemester stehen auf meiner To-Do-Liste jede Menge kleine Projekte. Ein Studiengangsmarketing-Video für die Geophysik, weitere KIT-interne Schulungen u.a. zum Thema Forschungsdatenmanagement, die wir mit den Autorentools Storyline360 und Rise360 von Articulate umsetzen. Während Letzteres ziemlich cool aussehende Kurse erstellt, ist Storyline irgendwie eine verkorkste Kreuzung aus PowerPoint 2003 und Windows Moviemaker. Keine Frage, man kann damit durchaus gute Trainings erstellen und sie als SCORM-Modul für jedes Learning-Management-System exportieren, aber als eingefleischter Apple-User finde ich, dass die Bedienung (und Performance) der Software deutlich besser sein könnte.

Außerdem halte ich in diesem Wintersemester wieder zwei Seminare, einmal eine Fortführung von L2D2, das in Zukunft hoffentlich wieder stärker vernetzt und universitätsübergreifend stattfinden wird und ein Seminar zum Thema „Empirische Medienforschung“, in dem ich Studierende an eben dieses Thema heranführe. Dabei habe ich – trotz aller Einschränkungen, die mit der reinen Online-Lehre kommen – großen Spaß. Gemäß dem Motto „Sei der Dozent, den du gerne (gehabt) hättest“ versuche ich den Studis meine Begeisterung für dieses Thema und das nötige (Fach-)Wissen (z.B. Recherchetipps) mit auf den Weg für ihr weiteres Studium zu geben. Die Evaluation des Seminars wird zeigen, ob mir das am Ende des Semesters gelungen sein wird… 

Für den Endspurt in 2020 steht an, dass im oben erwähnten AEDiL-Projekt ein Buch erscheinen soll, dessen finales Skript Mitte Januar an den Verlag gehen soll. Für mich ist die Arbeit für ein solches Publikationsvorhaben etwas vollkommen Neues – und daher enorm spannend.

Ich hoffe – und gehe davon aus – dass 2021 ebenso spannend wird. Zumindest für diesen Blog habe ich schon ein paar Beiträge geplant.


[1] Eichhorn, Michael, Ralph Müller, und Alexander Tillmann. 2017. „Entwicklung eines Kompetenzrasters zur Erfassung der ‚Digitalen Kompetenz‘ von Hochschullehrenden“. In Bildungsräume. Proceedings der 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft, 72:209–19. Medien in der Wissenschaft. Chemnitz: Waxmann.

Beitragsbild: cottonbro von Pexels