Seit ziemlich genau einem Jahr arbeite ich (weitgehend) im Stehen. Wie es dazu kam, womit ich das bewerkstellige und wie ich damit zurecht komme, könnt ihr hier nachlesen.

Dass Ergonomie auch am Arbeitsplatz ein immer wichtiger werdendes Thema ist, war irgendwie schon lange klar: Dauerhaftes Sitzen ist schlicht ungesund (Platzhalter für wissenschaftliche Quellen, die ich nicht herausgesucht habe). Nachdem ich Dank Schulterproblemen versucht habe, meine (physische) Haltung in einigen Bereichen zu ändern und damit gute Erfahrungen gemacht habe (Tweet vom 18.03.2019) habe ich mich im September 2019 auf die Suche nach einem passenden Aufsatz für meinen Schreibtisch gemacht, mit dem ich im Stehen arbeiten kann:

Mein Stehschreibtisch

Ich hatte verschiedene Anforderungen. Schick und stabil sollte er sein. Nach wenigen Recherchen war klar, dass ein höhenverstellbarer Aufsatz nicht in Frage kommt. Die teile sind zu klobig, hässlich und halten keinen 10kg-Rechner aus. Ich hatte ein paar vielversprechende Kickstarter-Kampagnen gefunden, die aber alle bereits vor Langem abgeschlossen waren. Und dann fand ich den „Readydesk.“

Zu den Pluspunkten: Funktional, schlicht, schick und trotz seiner Größe wirkt er nicht sperrig. Vom Typ her ist der Aufsatz mit dem Kinderstuhl TrippTrapp vergleichbar und folgt einem ähnlichen Steckprinzip. Ich glaube (hoffe?), dass das Stück eine einmalige Investition war und mich der Schreibtischaufsatz solange wie nötig als solcher begleitet. Sollte ich irgendwann einen komplett höhenverstellbaren Schreibtisch haben, kommt das Ding irgendwoanders eine Funktion als abgestuftes Regal oder so.

Auf der Minus-Seite steht: auch wenn der Readydesk deutlich größer (breiter/tiefer) als viele andere solche Aufsätze ist, ist er eben nur das: ein Aufsatz für den Schreibtisch, keine vollständige Tischplatte, auf der man noch Platz für Unterlagen, Bücher, Pflanzen und anderen Schnickschnack hat. Er ist nicht Stufenlos verstellbar, weshalb ich auch im Vorfeld minutiöse Berechnungen angestellt habe, ob die einstellbaren Arbeitshöhen in Kombination mit meinem Schreibtisch und meiner Körpergröße für mich ergonomisch sind. Selbst kleinste Abweichungen können hierbei schon einen Unterschied machen: Wenn ich im Winter dicke Winterschuhe mit mehr Absatz als mit meinen Barfußschuhen mit sehr dünner Sohle trage, merke ich das in den Handgelenken, da der Winkel zur Tastatur ein paar Grad steiler ist.

Insgesamt bin ich nach über einem Jahr trotz allem sehr zufrieden, stehen tut wirklich gut. Natürlich sollte man (insbesondere nicht gleich zu Beginn) auf 100% Stehzeit umsteigen. Aber: Dank lesender Tätigkeit und anderer Sitzmöglichkeiten kann ich oft genug Pause vom Stehen machen. Gerade der Wechsel ist sehr angenehm, da ich damit tatsächlich unterschiedliche Arbeitsmodi verbinden kann. Hier also mein Setup am Schreibtisch:

Für das HomeOffice habe ich mir einen zusammenfaltbaren Pappaufsteller für den Schreibtisch geholt. So kann ich dort bei Bedarf das Notebook hochstellen und auf der zweiten Ebene mit externer Tastatur/Maus arbeiten. Als Behelfslösung ist das auch in Ordnung. Es gibt zahlreiche DIY-Lösungen und IKEA-Hacks, aber wie so oft sind das Projekte, die man sich zwar vornimmt, für die man am Ende aber dann doch nie Zeit hat.

Nicht nur der Tisch!

Aber nicht nur der Tisch ist Teil meines Setups, sondern seit April 2020 auch ein Balance-Board. Nachdem klar war, dass wir dank Corona auf viel Bewegung verzichten werden müssen (keine Besuche mehr im Büro der Kolleg:innen, was sonst für motorische Abwechslung im Arbeitsalltag sorgt), habe ich mich dazu entschlossen zusätzlich zum Stehschreibtisch noch ein solches Balance-Board zu beschaffen.

Man steht wie auf einem Skateboard, nur ohne Rollen!

Im Grunde ist das ein Skateboard ohne Rollen, sondern mit einer konvexen Unterseite, sodass man permanent sein Gleichgewicht halte muss. Durch meine Kontakte in das Stehlabor der PH Heidelberg konnte ich mich schnell für ein konkretes Produkt entscheiden – wieder eines der „Premium“-Klasse, aber vom Typ „Kaufste einmal, haste das ganze Leben lang.“ Der Vorteil des FluidStance ist, dass der Winkel, den die Füße ‚abklappen‘ nicht so extrem ist wie bei ähnlichen solchen Boards, die z.B. in der Physiotherapie eingesetzt werden. Dadurch ist ein längeres Stehen ohne Schmerzen möglich.

Natürlich braucht es ein wenig Eingewöhnungszeit, bis man sich an das ständige Balancieren gewöhnt hat, aber man ist danach präsenter am Rechner. Gerade in Zeiten, in denen sich oft Videokonferenz an Videokonferenz reiht, ist die Kombination Stehschreibtisch + Balance-Board Gold wert: Diese Präsenz durch eine bessere (gesündere) Haltung zeigt sich auch bei Webkonferenzen für die Zuhörerschaft (siehe dieser Tweet).

Diese Kombination verwende ich nun ein gutes Dreivierteljahr und es gibt nur eine Situation, in der das Balance-Board für mich persönlich hinderlich ist: wenn ich mich wirklich extrem konzentrieren muss und gleichzeitig nicht ganz wach bin (also im Mittagstief). Da finde ich Sitzen angenehmer.

Kein Weg zurück

Vor einer Woche habe ich den Schritt gewagt, zu versuchen, ob ich doch wieder mehr sitzen will und habe den Readydesk abgebaut. Aber schon nach nur einem einzigen Tag war mir klar, dass das in Zukunft keine Option mehr sein wird. Für mich hat es sich ausgesessen! Und seit dem stehe ich wieder. Hier ein Bild von meinem aktuellen Aufbau am Schreibtisch:

Mein aktuelles Setup am Schreibtisch für die tägliche Arbeit und zahlreiche Videokonferenzen bzw. Lehrveranstaltungen.

Vielleicht schreibe ich demnächst auch noch einen Beitrag über meine technische Ausstattung, mit der ich meine Videokonferenzen bestreite – natürlich im Stehen!