Dieser Blogbeitrag ist eine unmittelbare Folge meiner „guten Vorsätze fürs neue Jahr“ – ich will ab 2021 jeden Monat hier einmal zusammenkehren, was mich bewegt und beschäftigt.

Woher kommt dieser Impuls? Zum einen lese ich selbst gerne die Monatsnotizen der Kolleg:innen und freue mich jedes Mal, wenn ich dort etwas für mich herausziehen kann. Ich hoffe, dass meine Beiträge in dieser Tradition für andere ebenfalls solche Möglichkeiten bieten. Falls nicht, habe zumindest ich über die Dinge noch einmal nachgedacht.

Im AEDiL-Projekt haben wir unser Buch zum Abschluss gebracht, d.h. verschiedene autoethnographische Stories sowie rahmende Kapitel, sind fertiggestellt. Jetzt geht das ganze an einen Verlag und wenn alles nach Zeitplan verläuft, kann ich in der Monatsnotiz zum April erneut von diesem (dann veröffentlichten) Projekt berichten. Letztlich habe ich innerhalb dieses Projektes am eigenen Leib erfahren, dass die regelmäßige Reflexion des eigenen Handelns und Denkens maßgeblich zur eigenen Entwicklung beitragen kann. Nicht zuletzt deswegen schreibe ich genau diesen Blogeintrag. Abgesehen von AEDiL ist der Januar für mich ein Startschuss in vielerlei Hinsicht:

Promotion & Wissensmanagement

Ich rolle das Thema meiner Promotion neu auf und verabschiede mich von der engen Sicht auf Erklärvideos und ihren Einsatz in der Hochschule und widme mich meinen eigenen Lehrveranstaltungen. Methodisch schlage ich aller Voraussicht die Richtung des Scholarship of Teaching and Learning ein, wobei auch – eben durch AEDiL bedingt – autoethnographische Anteile dabei sein werden. Der große Vorteil: Ich werde mich in diesem Jahr regelmäßig mit einem Kollegen austauschen, der ebenfalls ein Promotionsprojekt verfolgt, sodass wir uns gegenseitig „anstacheln“, tatsächlich am Ball zu bleiben. Wer meinen YouTube-Kanal und Blog die letzten Jahre verfolgt hat, weiß, dass ich mich immer wieder ein wenig verzettelt habe und mich inzwischen (im Netz) über mehr definiere als nur mein Doktorandendasein (siehe hier und hier).

„Verzetteln“ ist das richtige Stichwort für den nächsten Startschuss. In Zukunft wird dieser Begriff bei mir positiv konnotiert sein, da ich (endlich?) meine Notizhaltung auf ein neues und hoffentlich langfristiges System umstelle: den Zettelkasten. Ich bin gerade dabei, Sönke Ahrens’ „Das Zettelkasten-Prinzip“ zu lesen. Dieses Buch öffnet mir gerade die Augen und ich ärgere mich fast, dass ich nicht schon viel früher so intensiv in dieses Thema eingestiegen bin. Ich erhoffe mir davon ein externalisiertes Gedächtnis zu all den Kapiteln, Papern und Blogbeiträgen, die ich lese – insbesondere im Hinblick auf meine wissenschaftliche Arbeit. Dazu habe ich mich im Januar exzessiv mit der technischen Umsetzung befasst, sodass ich meine Literaturverwaltung in Zotero beinahe nahtlos mit dem Notizssystem meiner Wahl, Obsidian, verbunden habe. Ich erhoffe mir dadurch ein flüssiges Arbeiten, das auf offenen Standards basiert und damit in Zukunft in andere Formate transferierbar sein wird. Wobei ich inständig hoffe, dass ich dieses System mit genau diesem Setup eine ganze Zeit lang behalten kann. Ich plane auch, mein Vorgehen und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Nachmachen demnächst zur Verfügung zu stellen. 

Medienproduktion

Für meine Arbeit am Zentrum für Mediales Lernen starte ich in diesem Jahr in unserem AMALEA-Projekt, das ich von einer Kollegin „erbe“ – wie das eben so ist, im akademischen Umfeld: Personen kommen und gehen (auch aus erfreulicheren Gründen als dem WissZeitVG). Innerhalb dieses Projekts ist geplant, bis Ende des Jahres einen MOOC zum Thema „Machine Learning“ zu produzieren, der auf der Plattform des KI-Campus online geht. Dazu arbeitet das ZML mit dem Institut für Technik der Informationsverarbeitung des KIT zusammen, das für diesen MOOC ein bereits in Präsenz erprobtes „Labor für angewandte Machine Learning Algorithmen (LAMA)“ ins Digitale überträgt.

Audiokonferenzen

Und dann war im Januar noch dieses Clubhouse angesagt. Ich habe auch mal in dieses Netzwerk hineingeschnuppert und bin nach wie vor zwiegespalten. Abgesehen von Diskussionen um den Datenschutz, dem noch unklaren Geschäftsmodell und dem Umstand, dass sich Clubhouse und Inklusion gegenseitig ausschließen, möchte ich dazu folgende Dinge loswerden:

Im Grunde veranstaltet man auf Clubhouse nur bessere Telefonkonferenzen. Besser, weil die Audioqualität höher ist als bei einer normalen Telefonleitung und es für eine Moderation des Gesprächs sinnvolle Funktionen gibt. Da nur Audio übertragen wird, ist das ganze auch (Bandbreiten)sparsamer als eine Videokonferenz. Einem Gespräch beizutreten ist absolut niederschwellig und einfach möglich.

Technisch ließe sich das auch mit anderer Software umsetzen, vielleicht etwas weniger bequem, aber dafür flexibler. Man denke nur an die ganzen Videokonferenzsysteme, die man ja auch mit ausgeschalteter Kamera verwenden kann – es fehlt einzig die Möglichkeit, die schwarzen Kacheln abschalten zu können. Oder in der Gaming-Szene weit verbreitete Tools wie Discord oder TeamSpeak (bzw. die OpenSource-Variante Mumble).

Ich verstehe einerseits den Reiz dieser App (einfach zu nutzen, man braucht „nur“ den auditiven Kanal) und kann absolut nachvollziehen, warum man dafür gar nichts übrig hat (Exklusivität, Datenschutzbedenken etc). Interessant wird es glaube ich, wenn andere Anbieter ähnliche Funktionen bieten (z.B. Twitter mit den Spaces oder wirklich die Videokonferenz-Systeme auch zu „Audio-Konferenzsystemen“ werden).