Was mich im März 2021 bewegt und beschäftigt hat, lässt sich im Grunde auf zwei größere Themen herunterbrechen. Eines davon ist semi-dienstlicher Natur, das andere mehr oder weniger privater Natur, lässt sich aber auch im Lichte meiner Arbeit betrachten.

dghd – neues Amt für mich

Wie jedes Jahr im Frühjahr (und für mich seit 2018) stand die Jahrestagung der dghd, der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik, an. In diesem Jahr war das aber keine „klassische“ Fachkonferenz, sondern eine Werkstatt-Tagung, die eine Grundlage für eine Neufindung des Vereins dienen sollte. Hintergrund: die dghd ist in den letzten Jahren enorm gewachsen, das Feld der Hochschuldidaktik professionalisiert sich immer mehr und mit einigen namhaften weiteren Playern in der Hochschullandschaft, die sich der (Digitalisierung) der Lehre verschrieben haben und letztlich wurde der komplette Vorstand des Vereins neu besetzt. Jetzt gilt es, den Kompass neu auszurichten und sich zu fokussieren und/oder neu zu orientieren. Warum breite ich das hier in meiner Monatsnotiz aus? — Weil ich einen dieser neu besetzten Posten im Vorstand der dghd bekleide.

Mein Fazit zur Werkstatt-Tagung habe ich auf Twitter in diesem Thread niedergeschrieben:

Ich bin guter Dinge, neue Impulse aus der Community aufzunehmen, weiterzudenken und für die Community umzusetzen. 

3D-Druck

Nun zum spaßigen Teil: Ich habe mir einen 3D-Drucker gekauft. Das mag banal erscheinen und zunächst wenig spektakulär klingen, aber es hat doch einige interessante Dimensionen.

Zunächst die offensichtlichste Dimension: Ich bin nun in der Lage, kleinere bis mittelgroße Teile aus Kunststoff zu fertigen (bisher habe ich nur mit PLA experimentiert, eine Rolle PETG liegt schon bereit). Mein erster Test-Druck war auf der mitgelieferten SD-Karte schon drauf und ich war überrascht, wie gut das Out-of-the-Box-Ergebnis war, hatte ich doch in diversen Subreddits haarsträubende Erfahrungsberichte von absoluten Anfängern wie mir gelesen. Die nächsten Drucke waren dann Teile, die die Spielzeugkiste der Kids hier im Hause erweitern: Flexible Schienenteile (die es so nicht zu kaufen gibt), damit die Streckenführung individueller gestaltet werden kann und neue Streckenteile (die es nicht mehr zu kaufen gibt, außer gebraucht zu horrenden Preisen). Erste Rückschläge haben ich auch schon erfahren; seit das fehlerhafte Board des Druckers aber ausgetauscht ist, bin ich quasi wieder in Serienproduktion. Die Teile kamen bisher allesamt von einer Plattform im Netz, auf der eine riesige Community 3D-Modelle austauscht, die man einfach ausdrucken kann.

Und ab hier sind wir in dem Bereich, der auch im Lichte meiner Arbeit interessant wird: Ich lehre am KIT mitunter zu Themen, die weitgehend unter „Medienkompetenz“ laufen. Dabei geht es oft neben dem reinen Bedienen und Nutzen von Medien auch um das Kreative im Zusammenhang mit Medien. Ich hatte in der letzten Woche einen kleinen Aha-Moment, der mir deutlich vor Augen geführt hat, dass „lebenslanges Lernen“ oft nebenbei passiert und sich vielleicht gar nicht so programmatisch umsetzen lässt, wie manche Förderlinien oder Projekte es suggerieren. Ein klein wenig weiter muss ich aber noch ausholen:

Seit Langem verfolge ich ein Projekt im Netz, wie Martin Molin eine Musik-Maschine konstruiert und baut. Dabei zeigt er auch oft und ausführlich, wie er seine Konstruktionen am Computer in CAD-Software erstellt. Zwar arbeitet er vorrangig mit Sperrholz, aber sei’s drum. Auch wenn diese Teile seiner Videos in der Vergangenheit wenig unmittelbare Relevanz für mein Dasein hatten, habe ich diese Abschnitte immer mit Interesse verfolgt und so einige Techniken kennengelernt, wie man bestimmte Teile konstruieren kann (man bedenke: ich bin von Haus aus Geograph und Germanist, bzw. Pädagoge; kein Maschinenbauer).

In einem anderen YouTube-Kanal habe ich mehr zufällig als gezielt eine App kennengelernt, mit der man 3D-Modelle auf dem iPad entwerfen kann, die habe ich mir nach dem Kauf des 3D-Druckers mal angesehen (und für gut bzw. für mich ausreichend befunden). Wie kommen aber nun diese beiden Teile zusammen?

Ich wollte mich nach den heruntergeladenen Spielzeug-Ersatz- und Ergänzungsteilen mal an ein eigenes 3D-Modell wagen und wollte ein Ersatzteil für einen gebrochenen Kopfhörerbügel drucken. Die Geometrie des „Grundrisses“ ist recht simpel, muss aber in runder Form verlängert werden. Tja: und hier kommt zu Tragen, dass ich mich an die „Sweep“-Funktion erinnerte, die Martin Molin erwähnte und habe diese in der App gesucht/gefunden. Mit dieser Funktion kann man eine 2D-Form entlang eines individuellen Pfades (in meinem Fall eines Kreisabschnitts) extrudieren; und fertig ist mein Bauteil.

Sweep-Fuktion in Aktion.
Links: gebrochener Kopfhörerbügel; rechts: Fix mit 3D-Teil, das auf das Profil des Bügels geschoben wird um die Bruchstelle zu stabilisieren.

Wer hätte gedacht, dass nächtelanges, anlassloses YouTube-Suchten mal dazu führt, schneller und eleganter zu einem gewünschten Ergebnis auf einem vollkommen neuen Fachgebiet zu kommen? Für mich war das in jedem Fall ein kleines Erfolgserlebnis!