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Monatsnotiz April 2022 – oder: mein Videostudio

Der April ist zu Ende und während ich diese Zeilen schreibe, bin ich auf auf meiner ersten Dienstreise seit über zwei Jahren. Eigentlich wäre das das Highlight in diesem Monat, aber da das Ergebnis noch nicht da ist, möchte ich eine andere Sache in den Fokus rücken: Mein technisches Setup für die Online-Lehre.

Das Konzept: Der Schreibtisch als Studio

Dass ich für meine Lehre Videos einsetze, ist geneigten Leser:innen meines Blogs durchaus geläufig. In der Vergangenheit war das auch meine Haupttätigkeit: Am Zentrum für Mediales Lernen (ZML) des KIT hatten wir professionelle Studios eingerichtet, auf die ich bisweilen zurückgreifen konnte. Für meine Lehre wollte ich aber einen schnelleren Prozess, da ich weniger ausgefeilte Erklärvideos produziere, sondern eher kommunikative Videos, die in ein Thema einführen und so im Setting des Inverted Classroom eine andere Funktion erfüllen als die eigentliche Inhaltsvermittlung.
Im Zuge der Corona-Pandemie waren Videokonferenzen auf dem Vormarsch, sodass ich auch in Online-Meetings ein möglichst hochwertiges Video- und Audiosignal haben wollte. Somit war klar: Ich brauche eine wertige Ausstattung an meinem Schreibtisch – daher wollte ich weg vom Studio-als-Raum-Gedanken, sondern Videos möglichst schnell und ad-hoc an meinem Schreibtisch produzieren. In der Vergangenheit hatte ich meine Softboxen (Lichter)
auf das kleine Sofa gerichtet (zu sehen in vielen alten „David der Doktorand“-Folgen) und musste die Kamera für jedes Video neu aufbauen, da sie in der Mitte des Raumes positioniert sein musste um ein entsprechendes Bild einzufangen.
Ein Setup, das sowohl für die Produktion von Videos als auch für Webkonferenzen geeignet ist musste her: Kamera, Mikrofon, Licht, Screensharing – alles am Schreibtisch. Die Herausforderung dabei: die ganze Technik soll dauerhaft installiert, schnell einsatzbereit und bei nicht-Gebrauch nicht störend sein.

Evolution: Sitzen, Stehen, Umräumen

Über meinen Weg zum Stehschreibtisch hatte ich hier bereits einmal geschrieben. Kurz vor der Corona-Pandemie hatte ich mich dazu entschieden, nicht mehr ausschließlich zu sitzen. Damals stand mein Schreibtisch (wie auf den Bildern meines alten Beitrags zu erkennen) Richtung Wand. Für das erste Corona-Semester habe ich ihn um 90° gedreht, damit ich mein Fenster als natürliche Lichtquelle nutzen kann. Damit stand der Schreibtisch (etwas unschön) quer im Zimmer. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich mit meinem Stehtisch-Aufsatz eine Lösung, bei der ich nur im Stehen arbeitete.
Für die Aufnahme von Videos hatte ich meine Softboxen hinter dem Schreibtisch platziert, um die Lichtsituation im sonst abgedunkelten Raum kontrollieren zu können. Das war mein erster Schritt in Richtung „Schreibtisch-Studio“. Trotzdem war die Situation noch unzufriedenstellend: Stative und Kabel hinter dem Schreibtisch (Zugang zum Fenster) machten keinen sonderlich ordentlichen Eindruck, die großen Softboxen warfen vom Sonnenlicht Schatten und der Raum war im Grunde nur Studio und wenig einladend für ein konzentriertes Arbeiten.

Das „Provisorium“ während des ersten Corona-Semesters. Für Videos gut, sonst für nicht so viel.


Mit der Anschaffung meines höhenverstellbaren Schreibtisches drehte ich den Tisch wieder Richtung Wand; die Softboxen so nah wie möglich an die Wand, alle Kabel verschwanden in der Kabelführung des Tisches. Soweit so gut. Nun konnte ich an Meetings (insbesondere längere Gremiensitzungen) wieder im Sitzen teilnehmen und trotzdem „im Bilde“ sein.

Bis zu diesem Zeitpunkt war alles Video-Equipment, was ich (dienstlich) verwendete, mein Privateigentum: Kamera, HDMI-Grabber, Mikrofon, Stative und Licht mit Softboxen. Mit der Verleihung des Fakultätslehrpreises kam dann die finanzielle Möglichkeit, das Equipment nach und nach durch (professionelleres) zu ersetzen.

Aktuelles Setup: ein bisschen Streamer-Ästhetik

Hier nun mein aktuelles Setup:

Mein aktuelles Schreibtisch-Studio (April 2022)

Für alle Nerds hier eine Liste mit genauen Bezeichnungen des AV-Equipments:

  • Audio
    • Røde PodMic auf PSA-1 Stativ
    • FetHead
    • Focusrite Scarlett 2i2 Audiointerface
  • Video
    • Sony ZV-E10
    • Panasonic GX8 (Überbleibsel aus Privatbeständen)
    • 2x Elgato Key Light Studio
  • HDMI-Grabbing
    • ATEM mini (HDMI-Mischer)
    • Mirabox HDMI-Grabber
  • Sonstiges
    • MousePad/DeskMat
    • Fußhängematte
    • LogiTech Wireless Go Headset

Die Verkabelung/Schaltung ist relativ selbsterklärend:
Das Røde Mikrofon hängt auf seinem Stativ-Arm, sodass ich es schnell so positionieren kann, wie ich es möchte. Das XLR-Kabel geht über einen Mikrofonverstärker (Fethead, sonst wäre das Mikro zu leise) in das USB-Audiointerface. Das Audiosignal geht einerseits per USB an den Rechner, andererseits per Line-Out direkt in den Mic-Eingang des ATEM mini. Dort ist ein Noise-Gate eingeschaltet, da das Audiointerface leider ein zwar sehr leises, aber extrem nerviges Störgeräusch produziert.
Vermutlich kommt das davon, dass alle Geräte am selben Stromkreis hängen (Elektrotechniker dürfen mir hierbei gerne helfen!) und untereinander auf verschiedenen Wegen miteinander verbunden sind.

Ebenfalls am ATEM mini hängen die beiden Kameras per HDMI, zusätzlich habe ich zwei freie HDMI-Ports, an die ich zwei weitere Geräte anschließen kann; etwa ein Tablet/Notebook oder eine weitere Kamera (z. B. das iPhone mit der App FilmicPro, die einen Clean-HDMI-Out hat – also nur das Bild, nicht aber alle Widgets wie Belichtungsdauer, ISO-Werte etc. über HDMI ausgibt).
Der ATEM Mini ist per USB am iMac angeschlossen und meldet sich dort als Webcam, sodass ich in Zoom oder MS Teams ihn als Quelle sowohl für Audio und Video auswählen kann. Sauberer wäre es, wenn ich das Audio-Interface als Audioquelle und den Atem als Videoquelle nutzen würde, aber das bringt zwei Nachteile mit sich:

  1. laufen dann Ton und Bild nicht 100% synchron, weil die Signalwege unterschiedlich lang prozessiert werden und
  2. gibt der ATEM mini über USB nur ein stark komprimiertes Videobild aus (Motion-JPEG, es hat ewig gedauert, bis ich das herausgefunden habe). Dadurch sieht das Bild des ATEM über USB sehr kontrastreich aus und dunkle Bildstellen versinken schnell im totalen Schwarz (am unten stehenden Beispiel gut erkennbar an den Details bzw. der Struktur meines Pullovers).
    Genau aus diesem Grund kommt die MiraBox zum Einsatz: Sie wird vom HDMI-Out (nicht komprimiert) des ATEM mini gespeist und meldet sich ebenfalls per USB am Rechner. Da über den ATEM mini Bild und Ton über HDMI ausgegeben werden, habe ich so eine Quelle, in der Ton und Bild synchron sind – UND das Bild deutlich besser aussieht.

Für die Keylight Studios von Elgato habe ich mich entschieden, da sie extrem platzsparend sind: Als LED-Panel sind sie sehr flach und dank des Klemmstativs kann ich sie einfach am Schreibtisch montieren (die ZV-E10 hinter dem iMac hat dasselbe Stativ). So fahren die Lichter mit dem Schreibtisch mit in die Steh- oder Sitzposition. Außerdem lassen sich die Lichter vom Computer aus steuern, was die Helligkeit und Farbtemperatur angeht (warmweiß bis Tageslicht).

Mit diesem Setup kann ich alle Inhalte direkt in den ATEM mini speisen und von da aus auch direkt am Computer aufzeichnen – oder in eine Webkonferenz einspielen. Ich habe also das selbe Setup für die Produktion von Videos als auch für Online-Meetings. Ziel errreicht.

Ein bisschen jammern (auf sehr hohem Niveau) muss ich aber doch:

  1. Ist das Bild des Computers über den ATEM mini ziemlich unscharf, obwohl er nach technischen Spezifikationen 1080p beherrscht …
  2. Hätte ich den ATEM mini Pro ISO gekauft (für den dreifachen Preis etwa), könnte ich alle 4 HDMI-Inputs (2x Kamera + Computer + X) simultan parallel und vollständig voneinander isoliert (daher ISO) auf eine externe Festplatte aufzeichnen. Das würde mir in der Nachbearbeitung ermöglichen, Wechsel zwischen unterschiedlichen Inputs auch nachträglich einzufügen oder zu ändern.
  3. Die Sache mit dem Audiointerface nervt. Vielleicht muss ich mal testen, das PodMic mit Adapter direkt in den ATEM zu speisen…

Das Mousepad und die Fußhängematte erfüllen eine reine Komfort-Funktion, das Wireless Headset benutze ich nur, wenn ich während eines Meetings herumlaufen möchte.

Wenn ihr Fragen zu dem Setup habt, schreibt sie einfach in die Kommentare!

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2 Gedanken zu „Monatsnotiz April 2022 – oder: mein Videostudio“

  1. Moin David! Die neue Website ist sehr schön geworden. Danke für diesen Beitrag über dein Videostudio. Hat mich inspiriert, mein Setup auch noch einmal zu überdenken. Besonders dein Licht finde ich gut. Beste Grüße XL

  2. Hi Axel,
    danke für das Feedback! Die Lichter sind wunderbar; vor allem, dass sie eben am Tisch montiert sind. Die Studio-Version der Keylights gibt es zur Zeit kaum noch; bisweilen bekommen Händler sie auch nicht mehr (hat man mir gesagt). Die Keylight Airs sind deutlich kleiner und dunkler. Sollten aber auch reichen, ich fahre mit den Lichtern, die ich hier gezeigt habe bei etwa 30 bis max. 50% Leistung.

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