Erster digitaler Independence Day
Seit Längerem mache ich mir Gedanken darüber, ob und wie ich dazu beitragen kann, digitale Souveränität herzustellen. Auf dem 39C3 wurde nun der digitale Unabhängigkeitstag, der DI-Day, ausgerufen.
Wenn es nach Marc-Uwe Klings Känguru und dem Chaos Computer Club geht, ist jeder erste Sonntag im Monat ab sofort der „Digitale Unabhängigkeitstag“ – oder kurz: DIDay. Die Idee dahinter ist, dass man sich an diesem Tag Zeit nimmt, um sich zumindest aus einer digitalen Abhängigkeit löst. Digitale Abhängigkeit meint, dass man mit verschiedenen (meist) Online-Diensten an großen (meist) amerikanischen Unternehmen hängt, und von deren Regeln abhängig ist, auf die wir selbst als Nutzende keinen Einfluss haben. Und die bisweilen gegen unsere gesellschaftlichen Werte arbeiten (siehe z. B. die Radikalisierungen rechter Verschwörungsideologien bei X oder in Anklängen auch bei Meta).
Ich betreibe ja seit einiger Zeit bereits einen eigenen Server, den ich jüngst noch einmal mit einem Upgrade versehen habe, um mehr RAM für mehr verschiedene Apps zur Verfügung zu haben, und habe auch schon einmal über Digitale Souveränität geschrieben. Damals noch im Kontext des Umzuges meines Blogs von WordPress zu Ghost und dem damit verbundenen Versand von Newslettern über Sinch/Mailgun (noch so eine Abhängigkeit). Dass ich auch schon länger für das Fediverse als offene und attraktive Alternative für soziale Medien werbe, sollte Leser:innen meines Blogs hinlänglich bekannt sein. Im Zuge des DID geht es nun darum, diese Bewegung (weg von Big Tech, hin zu offenen oder zumindest europäischen Alternativen) zu teilen oder zu vergrößern.
Aus diesem Anlass habe ich auf Mastodon dazu eingeladen, sich einmal über andere Videokonferenzsysteme als Zoom, MS Teams oder WebEx auszutauschen, die gerade im Hochschulbereich die Platzhirsche sind.
Für meine Fachgesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Hochschuldidaktik e. V., suchen wir derzeit nach einer eigenen Konferenzlösung, die wir für Vorstandsarbeit und ggf. auch für Mitglieder bereitstellen. Natürlich könnten wir bei Big Tech (Microsoft und Google) für sehr kleines bis kein Geld eine vollumfängliche Cloud-Suite bekommen, aber damit begeben wir uns wieder in eine Abhängigkeit, die der Graswurzel-Natur unseres Vereins grundsätzlich entgegenläuft (der Verein finanziert sich bisher ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen).
Ich sehe dieses Event heute Abend als Startpunkt meiner eigenen Auseinandersetzung, wie ich auch andere digitale Abhängigkeiten in Zukunft weiter minimieren kann (daher der größer ausgebaute Server). Einige digitale Dienste stehen bereits auf dem Prüfstand (Streaming-Dienste, Warenhäuser, Clouds, Mailanbieter), andere sind in soziale Kontexte eingebunden, bei denen ein Umzug sicher aufwendiger wird (z.B. diverse Messenger mit all den Gruppen, die darin stattfinden).
In jedem Fall will ich mit diesem Post und dem Event nachher dazu animieren, sich Gedanken zu machen, zu überlegen, welche Accounts man wirklich benötigt, oder ob man sie loslassen kann und durch bessere Alternativen ersetzt. Und wer das Känguru mag, findet hier weitere Impulse zum Nachdenken:

