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Das Fediverse nimmt Fahrt auf

Das „Festival der guten Beispiele“ zeigt, wie Kommunikation im Fediverse und auf Mastodon gelingen kann. In (fast) allen gesellschaftlich relevanten Bereichen.

David Lohner
· 3 Minuten Lesezeit
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Anfang der Woche fand die 2MR statt. Auf der Konferenz, die unmittelbar vor der OMR, der größten Social-Media-Messe, in Hamburg stattfand, hat ein (oder besser:) viele Schlaglichter auf das Fediverse und Mastodon geworfen. Die Initiative Save Social hatte gemeinsam mit der Kommunikationsagentur King Consult die Veranstaltung als „Festival der guten Beispiele“ betitelt—und genau gehalten, was dieser Name verspach. 

Nach all meinem bisherigen Engagement für das Fediverse (und speziell für Mastodon), war ich wirklich traugig, trotz Einladung nicht persönlich bei dem Event dabei gewesen sein zu können. Umso besser, dass das Event kurzfristig live gestreamt wurde. Von vorne bis hinten. Und die einzelnen Videos sind inzwischen schon auf der eigens eingerichteten PeerTube-Instanz verfügbar:

watch.2MR.social
Videoserver für die Konferenz 2MR - das Festival der guten Ideen

PeerTube der 2MR, in der alle einzelnen Talks als Videos bereitgestellt sind.

Mein Eindruck der 2MR

Auf Mastodon habe ich das Event (in Teilen) live kommentiert. Die Veranstalter hatten wirklich eine exzellente Auswahl an Best-Practice-Beispielen zusammengetragen, die zeigen, dass es im Fediverse großartigen Content gibt. Chapeau! 

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Besonders schön: In derselben Woche haben sich drei demokratische Parteien von X verabschiedet und (dadurch?) die Konferenz in den Tagesthemen der ARD Platz gefunden:

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In Summe sind die Beiträge der 2MR das perfekte Nachschlagewerk, wenn man in Diskussionen rund um das Fediverse oder Mastodon gute Beispiele benötigt, egal ob nun aus dem Bereich öffentliche Verwaltung, Medien oder Unternehmen. Auch die Wissenschaftskommunikation und Organisationen wie Stiftungen sind dort vertreten und haben von ihren Erfahrungen berichtet.

Post by @davidlohner@higher-edu.social
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Was noch fehlt

Was mir allerdings gefehlt hat – aber vermutlich nicht an der Orga, sondern an der Realität gescheitert ist: Eine Perspektive auf Schule und die Jugend, vllt auch Studierende (und mit „Realität“ meine ich nicht, dass Fediverse-Projekte in diesem Bereich scheitern, sondern dass es einfach noch keine gibt. Ich prangere das an!):

Post by @davidlohner@higher-edu.social
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Ja, gerade Mastodon ist für diese Zielgruppe (Schüler:innen/Studierende) nicht sexy genug; Pixelfed und Loops hingegen wären es vielleicht, sind aber noch zu sehr in den Kinderschuhen und zu unbekannt. Falls in einer kommenden Iteration der 2MR Platz für das Programm ist, wäre es toll, bis dahin auch gute Beispiele aus dem Bildungsbereich zu zeigen.

Man könnte für den Bildungsbereich Schule auf folgende Akteure zugehen, um Projekte anzuschieben/zu initiieren: Landesmedienzentren; Fördervereine von Schulen, Elternvertreter; Schulträger; Kooperationsverbünde zwischen Hochschulen und Ländern (Stichwort: Lehramtsausbildung). Oder man schaut, ob es Einzelpersonen gibt, die sowas anleiern könnten. Oder das Projekt Aula wäre auch eine SEHR gute Adresse, Social Media und Demokratiebildung zusammenzubringen – oder die Landeszentralen für politische Bildung (Wink nach bildung.social).

Und was machen wir nach der Konferenz?

Ich hatte mir mit einem Kollegen aus der Social-Media-Abteilung die Session zu Wisskomm und Stiftungen live angesehen und wir hatten ein wenig den Call To Action vermisst. Ich weiß nicht, wie viele Personen im Livestream waren, die noch nicht im Fediverse aktiv sind – aber auch für die Aufzeichnung im Nachhinein wäre das toll, wenn die Talks mit einem Aufruf geendet hätten, was man jetzt konkret tun kann. Dem „Festival der guten Beispiele“ hat so ein bisschen „die Anleitung zum Nachmachen“ gefehlt. Ich bin mir aber sicher, dass jede:r, der/die diese Videos empfiehlt oder weiterleitet, gute Ideen hat, was die Adressat:innen der jeweiligen Empfehlung als nächstes tun können.

Mein Fazit

Auch wenn hier jetzt ein bisschen Gemecker steht: Ich fand Veranstaltung einfach mega. Ich hatte zwischendruch (ungelogen!) ein bisschen Pipi in den Augen, weil es wirklich SO GUT tat, mal Leute zu hören, die auf derselben Seite stehen, mit denen man diskutieren hätte können, ohne erstmal komplette Grundlagen zu erläutern; dass sich eben doch im Lande etwas tut, dass endlich Bewegung reinkommt, sich gemeinsam gegen die kommerz-Medien aufzulehnen – und das in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft, nicht nur unter Nerds.

Das Fediverse massentauglich zu machen, ist ein Marathon, kein Sprint. So viel ist sicher. Die 2MR war eine wirklich gute Etappe. Auf zur nächsten!